Page values for "Boykott jüdischer Geschäfte (LFS00472 3)"

"Sequences" values

titreBoykott jüdischer Geschäfte
sous_titre
videoLFS_00472_3_Boykott
dateDebut1933-04-01
dateFin1933-04-01
annee1,933
duree26
genreFilm amateur
format_original16 mm
colorationNoir_et_blanc
sonMuet
langue
realisateurs
droitsFörderverein ehemalige Synagoge Kippenheim
lieuTournage48.34054, 7.873
fondsLandesfilmsammlung BW
pieces_jointes
evenements_filmes_ou_en_lien
personnages_identifies
lieux_ou_monuments
etatNon-Non
institution_dorigineHaus des Dokumentarfilms
thematiqueSecond World War : prewar
idSupportLFS00472 3
timecode0
apercu
Boykott.jpg
resumefr
resumedeBoykott jüdischer Geschäfte in Lahr am 1.4.1933.
resumeenBoycott of Jewish shops in Lahr on 1.4.1933.
descriptionfr
descriptiondeZT: Kundgebung gegen das Judentum Vor dem Laden von Rolf Friedmann stehen uniformierte SA-Männer mit Plakat: "Eine deutsche Hausfrau kauft nicht beim Juden". Kinder und wenige Erwachsene auf der Straße.
descriptionen
contextefr
contextedeIn der Ortenau ist jüdisches Leben seit dem Mittelalter um 1300 nachweisbar. 1348/49 drohte eine Auslöschung der jüdischen Bewohner, da sie verantwortlich gemacht wurden für die Ausbreitung der Pest. Viele von ihnen wurden auf Scheiterhaufen verbrannt. Dass dabei durchaus eigennützige Interessen mitspielten, wurde sogar in zeitgenössischen Quellen erwähnt. 1389 wurde die bedeutende jüdische Gemeinde in Strasbourg aufgelöst. Damit ging ein organisatorischer Mittelpunkt verloren, und sie verstreuten sich in die umliegenden Ortschaften. Im 15. Jahrhundert wurden die jüdischen Geschäftsleute aus dem Kreditwesen verdrängt, und christliche Kaufleute übernahmen diese Aufgabe. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts siedelten sich jüdische Händler wieder in der Gegend von Lahr und Offenburg an. Sie handelten vor allem mit Pferden, Metall, Häuten und machten Kreditgeschäfte. Im 18. Jahrhundert erlaubten einige Reichsritter die Ansiedlung von Juden, um Einkommenssteuer von ihnen zu kassieren. Häufig vermarkteten sie landwirtschaftliche Produkte auf den städtischen Märkten und die handwerklichen Produkte aus den Städten auf dem Land. Von daher hatten sie eine Bedeutung für die ländliche Wirtschaft. In den Dörfern waren die Juden oft gezwungen in einem abgesonderten Bereich zu leben, da sie nicht neben Christen wohnen durften. Trotzdem kam es immer wieder zu Konflikten. Nach der Gründung des Großherzogtums Baden erhielten 1808 die dort lebenden etwa 14.000 Juden die badische Staatsbürgerschaft. Auf Gemeindeebene blieben ihre Rechte jedoch eingeschränkt. Um 1830 richteten die Kaufleute Ladengeschäfte ein und waren sehr aktiv im Viehhandel. Zwischen den Volkszählungen 1825 und 1852 stieg die Zahl der jüdischen Mitbürger von 17.577 auf 23.699, die überwiegend in Nordbaden wohnten. 1852 hatte Lahr einen überdurchschnittlichen Anteil von 3,4 % jüdischer Bevölkerung; der Landesdurchschnitt lag bei 1,7%. Im 19. Jahrhundert ließen sie an verschiedenen Orten Synagogen bauen, die oft von dem Freiburger Architekten Georg Jakob Schneider entworfen wurden. Seine Bauten verraten den Einfluss des Reformjudentums, die versuchten, das Judentum mit den Erfordernissen der Moderne in Übereinstimmung zu bringen. 1848 stimmte die Zweite Kammer des Badischen Landtags für die politische Gleichberechtigung aller Staatsbürger ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses, und 1862 stimmten sie für das „Gesetz über die bürgerliche Gleichstellung der Israeliten“. Dies bedeutete beispielsweise, dass Juden sich an jedem Ort niederlassen konnten, was ihnen bis dahin verwehrt gewesen war. 1888 wurde in Lahr eine jüdische Gemeinde gegründet, deren Mitglieder überwiegend aus Schmieheim kamen. Gegen die Etablierung jüdischer Mitbürger in der Gesellschaft gab es aber schon im 19. Jahrhundert eine antisemitische Bewegung, die offen gegen Juden hetzte und zum Teil zum Boykott von deren Läden aufrief. Diese Strömungen griffen die Nationalsozialisten nach der Machtübernahme auf. Schon im März 1933 beschloss beispielsweise der gleichgeschaltete Gemeinderat in Offenburg, jüdische Firmen, Geschäfte und ihre Filialen von der Belieferung der Stadtverwaltung auszuschließen. Am 1. April 1933 gab es im ganzen Reich einen Boykottaufruf, nicht mehr in jüdischen Geschäften zu kaufen. In Lahr wurde dieser Boykott von dem Amateurfilmer Eugen Heine filmisch dokumentiert. Der kurze Film beginnt mit einer Schrifttafel „Kundgebung gegen das Judentum“. Die erste Aufnahme zeigt SA-Männer vor einem Laden, die von Jugendlichen umringt sind. Die zweite Einstellung zeigt einen SA-Mann, der allein vor dem Geschäft von Rolf Friedmann steht. Ein Ochsenwagen zieht vorbei. Es folgt eine halbnahe Einstellung, damit das Schild „Eine deutsche Hausfrau kauft nicht beim Juden!“ gut zu lesen ist. Vor dem Eckladen der Familie Hauser steht ebenfalls ein einsamer SA-Mann mit dem gleichen Schild. Die nächste Einstellung entspricht der ersten Szene, in der mehrere SA-Männer vor einem Laden stehen, von Jugendlichen umringt. Ein Polizist mit einem Fahrrad bleibt stehen und beginnt eine Unterhaltung. Zwei SA-Männer stehen mit dem Schild vor einem Eckladen, dessen Schaufenster und Eingangstür eine deutliche Jugendstil-Gestaltung aufweisen. Das Schlussbild ist unterbelichtet und zeigt zwei SA-Männer vor einem weiteren Laden. Es kommt weder zu Tumulten noch scheinen Käufer zu kommen, die in die Läden wollen. Dies kann jedoch auch damit zusammenhängen, dass in Lahr der Boykottaufruf unterlaufen wurde, indem die Konsumenten früh am Morgen einkaufen gingen, als die SA noch nicht vor den Läden stand. Das Lahrer NS-Blatt „Grüsselhorn“ kritisierte dies ‚undeutsche‘ Verhalten in einem Artikel: „Man sollte es nicht für möglich halten, dass die Landleute, die ihre Produkte auf dem Markt doch an deutsche Volksgenossen verkaufen, ausgerechnet ihr Geld zum Juden tragen“ (Stude 1993, S. 156-157). Eine ökonomische Bedeutung hatte dieser Boykotttag für die jüdischen Geschäftsleute nach eigenen Angaben kaum. Vereinzelt solidarisierten sich sogar deutsche Mitbürger mit ihnen. Allerdings zeigte dieser Tag den Nationalsozialisten, dass sie bei der Ausgrenzung jüdischer Mitbürger bei der deutschen Bevölkerung auf wenig Widerstand stoßen werden. Wie schnell sich die Ausgrenzung und Isolation im Ortenaukreis vollzog, war von Ort zu Ort sehr unterschiedlich (Baumann 2000, S. 230). Kay Hoffmann
contexteenIn the Ortenau Jewish life has been detectable since the Middle Ages around 1300. 1348/49 threatened the extinction of the Jewish inhabitants, as they were held responsible for the spread of a plague. Many of them were burned at stake. It was even mentioned in contemporary sources that quite selfish interests played a part in this. In 1389 the important Jewish community in Strasbourg was dissolved. As a result, an organizational center was lost and they dispersed into the surrounding villages. In the 15th century, the Jewish businessmen were pushed out of the credit system, and Christian merchants took over this task. At the beginning of the 17th century, Jewish traders settled again in the area of ​​Lahr and Offenburg. They were mostly dealing with horses, metal, skins and credit. In the 18th century, some imperial knights allowed the settlement of Jews to collect income tax from them. Often, they marketed agricultural products on urban markets and artisanal products from rural cities. So they had a meaning for the rural economy. In the villages, the Jews were often forced to live in a separate area, as they were not allowed to live next to Christians. Nevertheless, there were always conflicts. After the founding of the Grand Duchy of Baden in 1808, the approximately 14,000 Jews living there received Baden citizenship. At the community level, however, their rights remained limited. Around 1830 the merchants set up shops and were very active in the cattle trade. Between the census of 1825 and 1852, the number of Jewish citizens increased from 17,577 to 23,699, most of them in the Northern part of Baden. In 1852 Lahr had an above-average share of 3.4% of the Jewish population; the national average was 1.7%. In the 19th century, they had synagogues built at various places, often designed by the Freiburg architect Georg Jakob Schneider. His buildings reveal the influence of Reform Judaism, which tried to reconcile Judaism with the requirements of modernity. In 1848, the Second Chamber of the Baden Parliment voted for the political equality of all citizens without distinction of religious confession, and in 1862 they voted for the "Law on Civil Rights of the Israelites". This meant, for example, that Jews could settle in any place they had been denied. In 1888 a Jewish community was founded in Lahr, whose members came mainly from Schmieheim. In the 19th century, however, there was an anti-Semitic movement against the establishment of Jewish citizens in society, which openly fought against Jews and sometimes called for a boycott of their shops. These tendencies took up the National Socialists after the seizure of power. Already in March 1933, for example, the city council Offenburg was forced in line and decided to exclude Jewish companies, shops and their branches from supplying the city administration. On April 1, 1933, there was a call for a boycott throughout the Reich to cease buying in Jewish shops. In Lahr, this boycott was documented cinematically by the amateur film maker Eugen Heine. The short film begins with a tablet "Rally against Judaism". The first shot shows SA men in front of a shop surrounded by teenagers. The second shot shows an SA man standing alone in front of Rolf Friedmann's shop. An ox cart pulls over. It follows a half-close attitude, so that the sign "A German housewife does not buy from the Jews!" is easy to read. In front of the corner shop of the Hauser family is also a solitary SA man with the same sign. The next shot corresponds to the first scene, where several SA men stand in front of a shop, surrounded by youth. A policeman with a bike stops and starts a conversation. Two SA men stand with the sign in front of a corner shop, whose shop window and front door have a clear Art Nouveau design. The final shot is underexposed and shows two SA men in front of another store. There are neither riots nor shoppers seem to come who want to go to the stores. However, this may also be related to the fact that in Lahr, the boycott call was undermined by the consumer went shopping early in the morning when the SA was not yet in front of the shops. The Lahr National Socialist newspaper "Grüsselhorn" criticized this, ungerman behavior in an article: "One should not think it possible that the country people who sell their products on the market but to German national comrades, of all their money to the Jews" (Stude 1993, pp. 156-157). According to their own statements, this boycott day hardly had any economic significance for the Jewish business people. Isolated even German fellow citizens solidarized with them. However, this day showed the National Socialists that they would face little opposition to the marginalization of Jewish citizens among the German population. How quickly the exclusion and isolation in the Ortenaukreis took place varied greatly from place to place (Baumann 2000, p. 230). Kay Hoffmann