Difference between revisions of "Oberrhheinischer Narrentag (LFS04997)"

Line 22: Line 22:
 
|thematique=Identity@ Traditions@ Carnival
 
|thematique=Identity@ Traditions@ Carnival
 
|Resume_de=Oberrheinischer Narrentag und Rosenmontag in Freiburg.
 
|Resume_de=Oberrheinischer Narrentag und Rosenmontag in Freiburg.
 +
|Contexte_et_analyse_de=Die Fasnacht in Lörrach hat eine lange Tradition. Schon vor der offiziellen Ausrufung der Fasnacht am 11.11.1935 gab es entsprechende Veranstaltungen. Doch die Gründung der Narrengilde Lörrach am 17.1.1936 gab dem Fasnachtsgeschehen eine formale Struktur, wie auch in anderen Orten am Oberrhein. Die Lörracher Narrengilde war eine Gründerzunft des Verbandes oberrheinischer Narrenzünfte (VON), in der sich zunächst sieben Narrenzünfte der schwäbisch-alemannischen Fasnacht organisierten (Breisach, Freiburg, Kenzingen, Lahr, Lörrach, Staufen, Weil am Rhein). Mittlerweile sind es über 80 Mitgliedszünfte, die in sechs Vogteien eingeteilt sind. Das Ziel ist die Brauchtumspflege der schwäbisch-alemannischen Fasnacht. Die Narrengilde Lörrach bot damals an, den 1. Oberrheinischen Narrentag am 12. und 13. Februar 1938 zu organisieren. Walter Berlinger, Mitglied des Lörracher Elferrats und ambitionierter Amateurfilmer, dokumentierte das Ereignis mit seiner 8 mm-Kamera. Seine Aufnahmen gefielen den Beteiligten bei den Vorführungen. Berlinger war Prokurist der ortsansässigen Brauerei Lasser und drehte zahlreiche Filme zu Lörrach und seiner Umgebung. Der 1. Oberrheinische Narrentag war ein voller Erfolg. Nicht nur, dass sich die Veranstaltung finanziell lohnte, sondern er sorgte für Aufmerksamkeit und einen guten Ruf der Lörracher Gilde und des VON. Einige andere Zünfte waren neidisch auf diesen Erfolg.
 +
 +
Der Film beginnt bei Schneefall mit dem Empfang der Zunftmeister aus verschiedenen Orten im Rathaus Lörrach am Sonntag, den 13. Februar 1938, nach einem festlichen Gildeabend zuvor. Zum Empfang kommen unter anderem Oberbürgermeister Reinhard Boos, Obergildenmeister Johann Maier Muser und  Gildenkönig Fritz Asal (Gildennamen Fritz Ludin), begleitet von dem 1. Narrenmeister des VON Harry Schäfer. Nach dem Empfang kommt der Gildenkönig aus dem Rathaus, gefolgt von weiteren Elferräten der Gründerzünfte. Der Gildenkönig ist auf allen Veranstaltungen präsent und wird von seinem Gildengefolge begleitet, das aus dem Gildennarren und den vier ‚Pagen des Königs‘ besteht.
 +
An der Straße versammeln sich Fasnachtsgruppen, Zünfte und Cliquen zur Wachparade am Markt. Zahlreiche Zuschauerinnen und Zuschauer säumen die Straßen der Innenstadt. Der Elferrat positioniert sich auf dem Balkon des Cafe Binoths, an dem der Umzug vorbeizieht. Er startet um 13 Uhr mit insgesamt 60 Fasnachtsgruppen, angeführt von den Vorreitern und dann Zünften und Gruppen. Mit einem Kameraschwenk werden sie gezeigt. Als erstes ist die Gildengarde Lörrach zu sehen, die von der Tochter des Obergildenmeisters gegründet wurde mit 26 höheren Bürgertöchtern der Stadt.
 +
Der Film wechselt zur Farbe, der allerdings ausgeblichen und grünstichig ist. Dokumentiert wird die im Film stumme Ansprache von Harry Schäfer vom Balkon herab. Am Balkon hängt ein Banner der deutschen Arbeitsfront mit dem Satz „Wir maschieren mit!“, ein Zeichen der Vereinnahmung durch das NS-Regime. Unten stehen die Freiburger Fasnachtsrufer mit ihren Holzratschen. Ein Junge im Zundelhäs läuft auf die Kamera zu, womit die Gruppe der Lörracher Zundel vorgestellt wird, die vom Turn- und Sportverein gegründet wurde. Ihr Häs besteht aus einem rot-gelb-grünen Flecklehäs mit einer Hörnerkappe. Auf die Maske verzichtet die Narrenzunft, da sie bei Sportübungen, wie dem Pyramidenbau, zu gefährlich wäre. Ihre Tradition ist der „Dellerschlegg“. Hierbei wird auf einem großen Teller Sahne verteilt und eine hölzerne Schnecke in einem Sahnehäufchen versteckt. Die Zundel umkreisen den großen Teller und schlecken die Sahne auf bis die Holzschnecke gefunden wird. Der Finder wird dann zum Zundelkönig gekrönt. Dies ist auch im Film zu sehen. Nun finden die Meldungen verschiedener Garden an den Gildenkönig statt.
 +
Es kommt im Film zu einem Ortswechsel. Am 28. Februar 1938 war die Narrengilde Lörrach mit ihren wichtigsten Vertretern zum Rosenmontagsumzug in Freiburg eingeladen. Walter Berlinger hatte sich mit seiner Kamera auf einem Umzugswagen positioniert und so einige Eindrücke des Umzuges aufgenommen. Er führt am alten Stadttor und am Siegesdenkmal auf dem heutigen Europaplatz vorbei, das ausgelassene Publikum säumt die Straßen. Für eine besondere Aufmerksamkeit sorgte die Zigüner-Clique Lörrach, die sich auf ihrem Fasnachtswagen als fahrendes Volk verkleidet hat, ein Hase wird gehäutet und ein offenes Feuer brennt. Diese Gruppe wurde 1936 gegründet und es war zu dieser Zeit ein mutiger Schritt, denn Sinti und Roma wurden vom NS-Regime diskriminiert und verfolgt.
 +
Die nächsten Aufnahmen stammen vom Fasnachtsdienstag, dem 1. März. Auf dem Burghof in Lörrach findet die ‚Löhnung‘ der Zunftmitglieder statt. Dem Publikum werden Süßigkeiten zugeworfen. Im letzten Abschnitt des Films sieht man nach einander die Mitglieder des Elferrates, welche sich in halbnaher Einstellung vor der Kamera im Gasthaus Hirsch produzieren. Unter anderem wird der Brauch der Geldbeutelwäsche durchgeführt und alle Mitglieder grinsen mit breitem Lächeln in die Kamera. Die Mitglieder des Elferrates 1937/38, waren angesehene Lörracher Persönlichkeiten, die erfolgreich in Handel, Handwerk und Industrie arbeiten. Der Friseur Johann Maier-Muser (1890-1979), ist damals der Obergildenmeister und hat den Spitznamen „Schmuser“, da er gerne Körperkontakt zu Frauen suchte.
 +
Sara Ehrhardt, Tamino Schweinfurth
 +
|Bibliographie=Viele Informationen des Artikels stammen von Klaus Breitenfeld, dem Chronisten der Narrengilde Lörrach; Lörracher Zundel: https://www.loerracher-zundel.de/; MINK Thomas Loisl. Die Gründung der „Zigüner“ war 1936 mutig. 75 Jahre Lörracher Fastnacht. In: Badische Zeitung, 2.3.2011;
 +
Narrengilde Lörrach: https://narrengilde-loerrach.de/; Verband oberrheinischer Narrenzünfte: http://www.von-online.de/
 
}}
 
}}

Revision as of 11:05, 28 August 2020


 Warning[1]

Events filmed or related


Oberrheinischer Narrentag

Abstract


Oberrheinischer Narrentag und Rosenmontag in Freiburg.

Metadata

Reference / film number :  LFS04997
Date :  1938
Coloration :  BW and color
Sound :  Mute
Running time :  00:11:00
Reel format :  8 mm
Genre :  Amateur movie
Thematics :  Identity, Traditions, Carnival
Archive :  Haus des Dokumentarfilms

Context and analysis


Die Fasnacht in Lörrach hat eine lange Tradition. Schon vor der offiziellen Ausrufung der Fasnacht am 11.11.1935 gab es entsprechende Veranstaltungen. Doch die Gründung der Narrengilde Lörrach am 17.1.1936 gab dem Fasnachtsgeschehen eine formale Struktur, wie auch in anderen Orten am Oberrhein. Die Lörracher Narrengilde war eine Gründerzunft des Verbandes oberrheinischer Narrenzünfte (VON), in der sich zunächst sieben Narrenzünfte der schwäbisch-alemannischen Fasnacht organisierten (Breisach, Freiburg, Kenzingen, Lahr, Lörrach, Staufen, Weil am Rhein). Mittlerweile sind es über 80 Mitgliedszünfte, die in sechs Vogteien eingeteilt sind. Das Ziel ist die Brauchtumspflege der schwäbisch-alemannischen Fasnacht. Die Narrengilde Lörrach bot damals an, den 1. Oberrheinischen Narrentag am 12. und 13. Februar 1938 zu organisieren. Walter Berlinger, Mitglied des Lörracher Elferrats und ambitionierter Amateurfilmer, dokumentierte das Ereignis mit seiner 8 mm-Kamera. Seine Aufnahmen gefielen den Beteiligten bei den Vorführungen. Berlinger war Prokurist der ortsansässigen Brauerei Lasser und drehte zahlreiche Filme zu Lörrach und seiner Umgebung. Der 1. Oberrheinische Narrentag war ein voller Erfolg. Nicht nur, dass sich die Veranstaltung finanziell lohnte, sondern er sorgte für Aufmerksamkeit und einen guten Ruf der Lörracher Gilde und des VON. Einige andere Zünfte waren neidisch auf diesen Erfolg.

Der Film beginnt bei Schneefall mit dem Empfang der Zunftmeister aus verschiedenen Orten im Rathaus Lörrach am Sonntag, den 13. Februar 1938, nach einem festlichen Gildeabend zuvor. Zum Empfang kommen unter anderem Oberbürgermeister Reinhard Boos, Obergildenmeister Johann Maier Muser und Gildenkönig Fritz Asal (Gildennamen Fritz Ludin), begleitet von dem 1. Narrenmeister des VON Harry Schäfer. Nach dem Empfang kommt der Gildenkönig aus dem Rathaus, gefolgt von weiteren Elferräten der Gründerzünfte. Der Gildenkönig ist auf allen Veranstaltungen präsent und wird von seinem Gildengefolge begleitet, das aus dem Gildennarren und den vier ‚Pagen des Königs‘ besteht. An der Straße versammeln sich Fasnachtsgruppen, Zünfte und Cliquen zur Wachparade am Markt. Zahlreiche Zuschauerinnen und Zuschauer säumen die Straßen der Innenstadt. Der Elferrat positioniert sich auf dem Balkon des Cafe Binoths, an dem der Umzug vorbeizieht. Er startet um 13 Uhr mit insgesamt 60 Fasnachtsgruppen, angeführt von den Vorreitern und dann Zünften und Gruppen. Mit einem Kameraschwenk werden sie gezeigt. Als erstes ist die Gildengarde Lörrach zu sehen, die von der Tochter des Obergildenmeisters gegründet wurde mit 26 höheren Bürgertöchtern der Stadt. Der Film wechselt zur Farbe, der allerdings ausgeblichen und grünstichig ist. Dokumentiert wird die im Film stumme Ansprache von Harry Schäfer vom Balkon herab. Am Balkon hängt ein Banner der deutschen Arbeitsfront mit dem Satz „Wir maschieren mit!“, ein Zeichen der Vereinnahmung durch das NS-Regime. Unten stehen die Freiburger Fasnachtsrufer mit ihren Holzratschen. Ein Junge im Zundelhäs läuft auf die Kamera zu, womit die Gruppe der Lörracher Zundel vorgestellt wird, die vom Turn- und Sportverein gegründet wurde. Ihr Häs besteht aus einem rot-gelb-grünen Flecklehäs mit einer Hörnerkappe. Auf die Maske verzichtet die Narrenzunft, da sie bei Sportübungen, wie dem Pyramidenbau, zu gefährlich wäre. Ihre Tradition ist der „Dellerschlegg“. Hierbei wird auf einem großen Teller Sahne verteilt und eine hölzerne Schnecke in einem Sahnehäufchen versteckt. Die Zundel umkreisen den großen Teller und schlecken die Sahne auf bis die Holzschnecke gefunden wird. Der Finder wird dann zum Zundelkönig gekrönt. Dies ist auch im Film zu sehen. Nun finden die Meldungen verschiedener Garden an den Gildenkönig statt. Es kommt im Film zu einem Ortswechsel. Am 28. Februar 1938 war die Narrengilde Lörrach mit ihren wichtigsten Vertretern zum Rosenmontagsumzug in Freiburg eingeladen. Walter Berlinger hatte sich mit seiner Kamera auf einem Umzugswagen positioniert und so einige Eindrücke des Umzuges aufgenommen. Er führt am alten Stadttor und am Siegesdenkmal auf dem heutigen Europaplatz vorbei, das ausgelassene Publikum säumt die Straßen. Für eine besondere Aufmerksamkeit sorgte die Zigüner-Clique Lörrach, die sich auf ihrem Fasnachtswagen als fahrendes Volk verkleidet hat, ein Hase wird gehäutet und ein offenes Feuer brennt. Diese Gruppe wurde 1936 gegründet und es war zu dieser Zeit ein mutiger Schritt, denn Sinti und Roma wurden vom NS-Regime diskriminiert und verfolgt. Die nächsten Aufnahmen stammen vom Fasnachtsdienstag, dem 1. März. Auf dem Burghof in Lörrach findet die ‚Löhnung‘ der Zunftmitglieder statt. Dem Publikum werden Süßigkeiten zugeworfen. Im letzten Abschnitt des Films sieht man nach einander die Mitglieder des Elferrates, welche sich in halbnaher Einstellung vor der Kamera im Gasthaus Hirsch produzieren. Unter anderem wird der Brauch der Geldbeutelwäsche durchgeführt und alle Mitglieder grinsen mit breitem Lächeln in die Kamera. Die Mitglieder des Elferrates 1937/38, waren angesehene Lörracher Persönlichkeiten, die erfolgreich in Handel, Handwerk und Industrie arbeiten. Der Friseur Johann Maier-Muser (1890-1979), ist damals der Obergildenmeister und hat den Spitznamen „Schmuser“, da er gerne Körperkontakt zu Frauen suchte.

Sara Ehrhardt, Tamino Schweinfurth

Places and monuments


Freiburg

Bibliography


Viele Informationen des Artikels stammen von Klaus Breitenfeld, dem Chronisten der Narrengilde Lörrach; Lörracher Zundel: https://www.loerracher-zundel.de/; MINK Thomas Loisl. Die Gründung der „Zigüner“ war 1936 mutig. 75 Jahre Lörracher Fastnacht. In: Badische Zeitung, 2.3.2011;

Narrengilde Lörrach: https://narrengilde-loerrach.de/; Verband oberrheinischer Narrenzünfte: http://www.von-online.de/



  1. This film analysis is still in progress. It may therefore be incomplete and contain errors.