Page values for "Schulanfang Mädchenschule (LFS 01421 6)"

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titreSchulanfang Mädchenschule
sous_titreRegionale Ereignisse Philippsburg
videoLFS_01421_6
dateDebut1962
dateFin1962
annee1,962
duree142
genreFilm amateur
format_original8 mm
colorationCouleur
sonMuet
langue
realisateurs
droitsLandesfilmsammlung BW
lieuTournage49.23116, 8.46072
fondsLandesfilmsammlung BW
pieces_jointes
evenements_filmes_ou_en_lien
personnages_identifies
lieux_ou_monumentsPhilippsburg
etatNon-Non
institution_dorigineHaus des Dokumentarfilms
thematiqueBody and Health Sport Identity Traditions Rural life
idSupportLFS 01421 6
timecode0
apercu
LFS01421_6_Schulanfang.jpg
resumefr
resumedeSchulanfang, Mädchenberufsschule bei Gartenarbeit, Schulsportfest
resumeenBeginning of elementary school and garden work at a school for Girls.
descriptionfr
descriptionde
descriptionen
contextefr
contextedeDer Fotograf geht nach vorne, den Fotoapparat mit dem Blitzlicht um den Hals gehängt, dreht sich um zum Schulhaus, um Fotos von den Erstklässlern zu schießen, die gleich aus der Schultür kommen. Er schaut beiläufig in die Filmkamera, die unweit positioniert ist. Fotograf und Amateurfilmer begegnen sich: Der Erste ist jetzt selbst im Bild, wie er zum Bildermachen ansetzt, zu den Fotos vom ersten Schultag in der Philippsburger Hieronymus-Nopp-Schule, der im Jahr 1962 noch im April lag. Bis heute hat sich – trotz der neuen digitalen Aufnahmetechniken – nicht viel verändert an den Fotos von diesem Tag. Nicht fehlen darf die Porträtaufnahme mit der Schultüte im Arm – sie steht für einen wichtigen Einschnitt in der Lebensgeschichte. Verändert haben sich das Bildungssystem und die Pädagogik. 1964 löste Georg Pichts Buch über die „deutsche Bildungskatastrophe“ eine Bildungsrevolution aus. Volksschulen und Gymnasien in ihrer überlebten Form standen für ein Schulsystem, das mangels Chancengleichheit die Klassenstruktur der Gesellschaft bestätigte. Vor allem jedoch: Die pädagogischen Ideale hatten mit der Gegenwart der bürgerlichen Moderne und den Anforderungen eines sich verändernden Arbeitsmarktes nichts zu tun. Das Kind in der Schule war eine Art Untertan, dessen Wille gebrochen werden musste. Tugenden wie Disziplin, Fleiß und Gehorsam standen oben an: Auswendiglernen und Schönschreibschrift, Tatzen und In-der-Ecke-stehen prägen das Bild der Schule als Disziplinarmacht. Zeigt der Amateurfilm mehr und anderes vom Schulanfang als Fotos vom selben Ereignis? Die Kinder kommen aus dem Dunkel der Schultür, zunächst Schüler der höheren Klassen, zwei von ihnen schlagen vorneweg Trommeln. Der Lehrer an ihrer Seite hebt sich sogleich ab in der Halbtotalen: Im dunklen Anzug und mit Papieren in der Hand schaut er zunächst umsichtig zurück, um dann mit der Gruppe der älteren Schüler aus dem Bild zu verschwinden. Jetzt erscheinen die Erstklässler mit der Schultüte in der Tür: Zu zweit nebeneinander gehend halten manche einander die Hand. Nach einem Schnitt holt sie die Kamera im Vordergrund in der Halbnahen heran – bis im Hintergrund die junge Lehrerin mit der Mädchenklasse den Blick auf sich zieht: Im hellen Kostüm geleitet sie die Mädchen mit ruhiger Geste die Stufen hinunter, bevor sie nach einem Schnitt allein ins Bild kommt und gelassen an der Kamera vorbeigeht. Die Bewegung der Kinder ist in Fluss gekommen und zeigt sich als das vertraute Bild vom Schulbeginn. Die Lehrer erweisen sich dabei als die ‚guten Hirten‘, sie führen eine ‚Herde‘, die sich willig lenken lässt. Machtbeziehungen spiegeln sich unscheinbar in Führungsverhältnissen – und werden in der Szene sichtbar im ‚Bild‘ von Hirte und Herde. Die Bewegung der Erstklässler aus der Schule heraus wird zu einer Art Prozession, mit der die autoritäre Pädagogik der Zeit im Anschein eines pastoralen Rituals verschwindet. Die Bewegung des Zuges gerinnt zugleich zu einzelnen Bildern, die aus dem Fluss heraustreten, so wie die Einstellung mit der jungen Lehrerin im weißen Kostüm – und schließlich das Bild der Mütter, die hinter der zweiten Mädchenklasse aus der Schultür treten. Im Hintergrund werden andere Gebäude sichtbar, wenn sie nach einem Schnitt hinter den Kindern auf die Kamera zukommen. Die geordnete Bewegung des Zuges löst sich auf, indem die Einstellungen zu Szenen werden, zu ‚Auftritten‘ derjenigen, die auf die Anwesenheit der Kamera reagieren. Bei zwei Frauen, die sich unterhalten, bleibt es bei einer knappen Geste in Richtung Amateurfilmer. Ein Herr mit Kindern hinter sich reagiert stärker, hebt die Hand zum Gruß und spricht in die Kamera. Die bewegten Bilder halten die Szenen einer ‚Aufführung‘ zusammen, die nun auch den Aufführungscharakter hervorkehrt, der in den Szenen des Erstklässler-Zuges noch verdeckt war. Eine Bewegung, die anfangs ein Bild von Hirten und Herde hervorbrachte, wird zur Bewegung der Aufführung einzelner Szenen, die schließlich zum Abbruch des Filmes führt: Ein Herr in einer Dreiergruppe weist mit jovialer Geste auf seinen Nebenmann, spricht in Richtung der Kamera, um dann auf den Amateurfilmer zuzugehen, der in dieser Situation nicht mehr weiter filmen kann. Dieser Amateurfilm bildet die Szenen vom ersten Schultag nicht nur ab. Er verwandelt sie in eine ‚Bühne‘ für die Beteiligten, in die Bewegung einer Aufführung, die für den Amateurfilmer zuletzt nicht mehr kontrollierbar ist. Die folgenden Aufnahmen aus dem Garten der Philippsburger Mädchenberufsschule, Bilder von den Pflanzungen in den streng angeordneten Beeten, wirken so auch wie ein Versuch, noch einmal ein wenig Ordnung in den Film zu bringen. Reiner Bader
contexteenThe photographer walks to the front, the camera with the flashlight hung around his neck, turns around to the schoolhouse to shoot photos of the first grade who come straight out of the school door. He looks casually into the film camera, which is positioned not far away. Photographer and amateur filmmaker meet: The first is now in the picture, as he attaches to making pictures, to the photos from the first day of school in the Philippsburg Jerome Nopp School, which was still in April in the year 1962. To date, notwithstanding the new digital recording techniques, not much has changed in the photos of that special day. Not to be missed is the portrait shot with the school bag in her arm - it represents an important turning point in the life story. The education system and pedagogy have changed. In 1964, Georg Picht's book on the "German educational catastrophe" triggered an educational revolution. Elementary schools and high schools in their surviving form stood for a school system that, in the absence of equal opportunities, confirmed the class structure of society. Above all, however, the educational ideals had nothing to do with the presence of bourgeois modernity and the demands of a changing labor market. The child at school was a kind of subject whose will had to be broken. Virtues such as discipline, diligence and obedience were at the top of the list: Memorizing and writing, pawing and standing in the corner shape the image of the school as disciplinary power. Does the amateur film show more and more from the beginning of the school than photos from the same event? The children come out of the darkness of the school door, first students of the higher classes, two of them beat drums in the front. The teacher at her side immediately stands out in the medium shot: in a dark suit and with papers in his hand, he looks carefully back to disappear with the group of older pupils from the picture. Now the first graders with the school bag appear in the door: walking next to each other, some hold each other's hands. After a cut, she gets the camera in the foreground in the half-close approach - until in the background, the young teacher with the girl class draws the eye on itself: In the bright costume, she leads the girls with a calm gesture down the stairs, before after a cut alone into the picture comes and lets pass the camera. The movement of the children has come into flux and shows up as the familiar image of starting school. The teachers prove to be the 'good shepherds', they have a 'herd' that is willing to be guided. Power relationships are inconspicuously reflected in leadership relationships - and become visible in the scene in the 'image' of shepherd and herd. The movement of the first graders out of school becomes a kind of procession with which the authoritarian pedagogy of the time disappears in the appearance of a pastoral ritual. The movement of the group coagulates into individual images that emerge from the river, as well as the attitude with the young teacher in the white costume - and finally the image of the mothers who step out of the school door behind the second girl class. In the background, other buildings become visible as they approach the camera after a cut behind the children. The ordered movement of the group dissolves, turning the settings into scenes, to 'appearances' of those reacting to the presence of the camera. With two women who talk, it remains with a curt gesture towards amateur film. A gentleman with children behind reacts more strongly, raises his hand in greeting and speaks into the camera. The moving images gather together the scenes of a 'performance', which now also reveals the performance character that was still obscured in the scenes of the first year's turn. A movement that at first produced a picture of shepherds and herd becomes a movement of the performance of individual scenes, which eventually leads to the demolition of the film: a gentleman in a group of three points with jovial gesture to his neighbor, speaks in the direction of the camera, then to approach the amateur filmmaker who can not continue filming in this situation. This amateur movie not only depicts the scenes from the first day of school. He transforms them into a 'stage' for those involved, into the movement of a performance that is no longer controllable for the amateur filmmaker. The following pictures from the garden of the Philippsburger School for working girls, pictures of the plantings in the strictly arranged beds, also seem like an attempt to bring a little bit of order to the film. Reiner Bader