Difference between revisions of "Sport und Fasnacht (LFS00472 1)"

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ZT: Von der Lohrer Fasnet  
 
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Fasnachtsumzug in Lahr, von erhöhter Position gefilmt. Kamel, Wagen mit Darstellung eines Boxkampfs, Boot mit Aufschrift "Skihaserl".
 
Fasnachtsumzug in Lahr, von erhöhter Position gefilmt. Kamel, Wagen mit Darstellung eines Boxkampfs, Boot mit Aufschrift "Skihaserl".
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|Contexte_et_analyse_de=Der Amateurfilm behandelt zwei unterschiedliche Sujets, die zeitlich getrennt aufgenommen wurden. In der ersten Minute geht es um eine Sportdarbietung von einer Männer- und einer Frauenriege des Turnverein Lahr auf dem Schlossplatz. In der zweiten Minute folgen dann Aufnahmen des Fasnachtsumzugs 1937. Am Anfang des Films gibt es eine Schrifttafel „Lahr, die Stadt des hinkenden Boten“. Dieser Name bezieht sich auf den Volkskalender ‚Lahrer Hinkender Bote‘, der ab 1800 erschien und bis heute inzwischen mit dem Untertitel „Der badische Kalender“ veröffentlicht wird. Der Haupttitel bezieht sich darauf, dass um 1800 Invaliden oft nur die Möglichkeit hatten, als Boten oder Zeitungsverkäufer ihr Auskommen zu finden. Der Inhalt besteht aus einem Kalender, Informationen zu Gedenktagen, Pflanz- und Saat-Terminen, Bauernregeln, Pollenflug, dem Hundertjährigen Kalender, landesbezogenen Beiträgen und Geschichten, teilweise in alemannischer Mundart sowie Fotos und Zeichnungen.
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Sportübungen
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Alle Aufnahmen der Sportdarbietungen fanden auf dem heutigen Schlossplatz von derselben Position aus ohne Stativ statt. Das Möbelhaus Karl Erber, das im Hintergrund zu sehen ist, ist inzwischen zu einer Filiale einer Drogeriekette geworden und ermöglicht eine Lokalisierung. Das Turnen wurde mit dem Aufkommen der Arbeiterbewegung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sehr populär. Der Turnverein Lahr wurde allerdings schon 1846 gegründet und zählt damit zu den ältesten Turnvereinen in Baden-Württemberg. Heute ist er mit nahezu 2.000 Mitgliedern der größte Verein, der in Lahr Sport anbietet. Die jungen Frauen in kurzem Sportdress mit dem Logo des Vereins führen choreografierte und synchrone Gymnastik- und Tanzübungen mit kleinen Kugeln vor. Im Anschluss zeigen alte Herren gymnastische Übungen mit Schleuderbällen aus Leder, die sie sich zuwerfen. Im Hintergrund sind viele Kinder und einige Erwachsene als Zuschauer zu sehen, darunter ein Soldat in Uniform und ein Polizist, der die Jugendlichen in Schach hält. Manche von ihnen sind leicht bekleidet und in Kombination mit dem Stand der Sonne und dem daraus resultierenden Schattenwurf lässt sich die Sportdarbietung auf die Mittagszeit im Frühjahr datieren; das Jahr der Aufnahme bleibt unklar, wird aber in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre sein. Zum Schluss dieser Sequenz schwenkt die Kamera von links nach rechts und folgt dem Abmarsch der Männer mit ihren geschulterten Bällen.
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Fasnachtsumzug
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Die Sequenz beginnt mit einer Schrifttafel „Von der Lohrer Fasnet“ und zeigt den Umzug am Sonntag, den 7. Februar, wie ein Artikel in der Lahrer Zeitung vom 8. Februar 1937 belegt: „‘So ebbs war noch nie da!‘ Nämlich der Menschenstrom, der sich aus dem ganzen Kreis in die Amtsstadt der Lahrer Fasentzunft wälzte, die Straßen verstopfte, schon lange bevor der Fasentzug durch die Hauptstraße der Stadt seine Riesenschlange von Witz und Satire hindurchführte“. Der Artikel macht deutlich, dass sich viele Vereine und Musikgruppen aus Lahr und den benachbarten Orten an dem Umzug beteiligten. Nicht alle Nummern, die der Artikel erwähnt, sind in dem sehr kurzen Film von nicht einmal einer Minute dokumentiert. Der Amateurfilmer mit seiner 16 mm-Kamera hat sich einen erhöhten Standpunkt gewählt und lässt den Zug an sich vorüberziehen. Die Bilder haben eine gewisse Unschärfe. Gedreht wurde ohne Stativ und geschnitten sozusagen in der Kamera, indem sie gestoppt und beim nächsten Motiv wieder gestartet wurde.
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Zu sehen sind die Klepperlesgard, die Stadtkapelle und die Bürgermiliz Lahr, die der Fasnacht eng verbunden waren. Es folgten der Zunftrat auf einem Galawagen und ein Motivwagen zur Untertunnelung des Schutterlindenbergs. Zwei laufen im Kamelkostüm mit, was der Artikel so kommentiert: „‘Wenn über eine alte Sache mal endlich Gras gewachsen ist, kommt sicher ein Kamel gelaufen, das alles wieder runterreißt‘ – damit verkörperte der ‚Liederkranz‘ Lahr die Kanalisationssorgen der Einwohnerschaft treffend“ (LZ, 8.2.1937). Auf einem weiteren Wagen ist ein Ring aufgebaut, in dem zwei Boxer miteinander kämpfen. Bezug genommen wurde dabei auf den Kampf des deutschen Box-Stars Max Schmeling gegen Joe Jacobs am 19.6.1936 in New York, den der Deutsche nach zwölf Runden für sich entscheiden konnte. Unter dem Motto „Haben wir keinen Schnee, so fahren wir zur See“ amüsierte sich der Skiclub auf dem Schiff ‚Skihaserl‘. Die Hauptstraße ist dicht mit Publikum gefüllt, das bis auf die Kinder überwiegend nicht verkleidet ist. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass dieser Umzug erst der zweite offizielle in Lahr war. Zuvor feierten die Narren überwiegend in geschlossenen Räumen, denn Anfang des 20. Jahrhunderts war Lahr überwiegend protestantisch und die Fasnet offiziell verboten. Trotzdem wurde in der damaligen „Kriz-Gaß“, der heutigen Gärtnerstraße, heimlich ein Umzug durchgeführt und von der Gemeinde toleriert. 1936 wurde dann der erste offizielle Fastnachtsumzug in Lahr durchgeführt.
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Patrizia Danielczok, Alexander Just, Keshia-Magali Kaltenbrunner, Jenny Wybierski
 
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Revision as of 10:55, 28 April 2020


Sport und Fasnacht
Warning[1]

Events filmed or related


Sportpräsentation und Fasnachstumzug

Abstract


Präsentation von weiblichen und männlichen Sportlern in Lahr. Fasnachtsumzug in Lahr mit Wagen,

Description


ZT: Lahr i.B. die Stadt des "Lahrer Hinkenden Boten" Sportdarbietung in der Stadt vor Möbelhaus Karl Erber, Frauen schwingen Keulen, Männer Kugeln. Abmarsch der Sportler. ZT: Von der Lohrer Fasnet Fasnachtsumzug in Lahr, von erhöhter Position gefilmt. Kamel, Wagen mit Darstellung eines Boxkampfs, Boot mit Aufschrift "Skihaserl".


Metadata

Reference / film number :  LFS00472 1
Date :  1937
Coloration :  Black and white
Sound :  Mute
Running time :  00:02:14
Reel format :  16 mm
Genre :  Amateur movie
Thematics :  Sport, Athletics, Traditions, Carnival
Archive :  Haus des Dokumentarfilms

Context and analysis


Der Amateurfilm behandelt zwei unterschiedliche Sujets, die zeitlich getrennt aufgenommen wurden. In der ersten Minute geht es um eine Sportdarbietung von einer Männer- und einer Frauenriege des Turnverein Lahr auf dem Schlossplatz. In der zweiten Minute folgen dann Aufnahmen des Fasnachtsumzugs 1937. Am Anfang des Films gibt es eine Schrifttafel „Lahr, die Stadt des hinkenden Boten“. Dieser Name bezieht sich auf den Volkskalender ‚Lahrer Hinkender Bote‘, der ab 1800 erschien und bis heute inzwischen mit dem Untertitel „Der badische Kalender“ veröffentlicht wird. Der Haupttitel bezieht sich darauf, dass um 1800 Invaliden oft nur die Möglichkeit hatten, als Boten oder Zeitungsverkäufer ihr Auskommen zu finden. Der Inhalt besteht aus einem Kalender, Informationen zu Gedenktagen, Pflanz- und Saat-Terminen, Bauernregeln, Pollenflug, dem Hundertjährigen Kalender, landesbezogenen Beiträgen und Geschichten, teilweise in alemannischer Mundart sowie Fotos und Zeichnungen. Sportübungen Alle Aufnahmen der Sportdarbietungen fanden auf dem heutigen Schlossplatz von derselben Position aus ohne Stativ statt. Das Möbelhaus Karl Erber, das im Hintergrund zu sehen ist, ist inzwischen zu einer Filiale einer Drogeriekette geworden und ermöglicht eine Lokalisierung. Das Turnen wurde mit dem Aufkommen der Arbeiterbewegung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sehr populär. Der Turnverein Lahr wurde allerdings schon 1846 gegründet und zählt damit zu den ältesten Turnvereinen in Baden-Württemberg. Heute ist er mit nahezu 2.000 Mitgliedern der größte Verein, der in Lahr Sport anbietet. Die jungen Frauen in kurzem Sportdress mit dem Logo des Vereins führen choreografierte und synchrone Gymnastik- und Tanzübungen mit kleinen Kugeln vor. Im Anschluss zeigen alte Herren gymnastische Übungen mit Schleuderbällen aus Leder, die sie sich zuwerfen. Im Hintergrund sind viele Kinder und einige Erwachsene als Zuschauer zu sehen, darunter ein Soldat in Uniform und ein Polizist, der die Jugendlichen in Schach hält. Manche von ihnen sind leicht bekleidet und in Kombination mit dem Stand der Sonne und dem daraus resultierenden Schattenwurf lässt sich die Sportdarbietung auf die Mittagszeit im Frühjahr datieren; das Jahr der Aufnahme bleibt unklar, wird aber in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre sein. Zum Schluss dieser Sequenz schwenkt die Kamera von links nach rechts und folgt dem Abmarsch der Männer mit ihren geschulterten Bällen.

Fasnachtsumzug Die Sequenz beginnt mit einer Schrifttafel „Von der Lohrer Fasnet“ und zeigt den Umzug am Sonntag, den 7. Februar, wie ein Artikel in der Lahrer Zeitung vom 8. Februar 1937 belegt: „‘So ebbs war noch nie da!‘ Nämlich der Menschenstrom, der sich aus dem ganzen Kreis in die Amtsstadt der Lahrer Fasentzunft wälzte, die Straßen verstopfte, schon lange bevor der Fasentzug durch die Hauptstraße der Stadt seine Riesenschlange von Witz und Satire hindurchführte“. Der Artikel macht deutlich, dass sich viele Vereine und Musikgruppen aus Lahr und den benachbarten Orten an dem Umzug beteiligten. Nicht alle Nummern, die der Artikel erwähnt, sind in dem sehr kurzen Film von nicht einmal einer Minute dokumentiert. Der Amateurfilmer mit seiner 16 mm-Kamera hat sich einen erhöhten Standpunkt gewählt und lässt den Zug an sich vorüberziehen. Die Bilder haben eine gewisse Unschärfe. Gedreht wurde ohne Stativ und geschnitten sozusagen in der Kamera, indem sie gestoppt und beim nächsten Motiv wieder gestartet wurde.

Zu sehen sind die Klepperlesgard, die Stadtkapelle und die Bürgermiliz Lahr, die der Fasnacht eng verbunden waren. Es folgten der Zunftrat auf einem Galawagen und ein Motivwagen zur Untertunnelung des Schutterlindenbergs. Zwei laufen im Kamelkostüm mit, was der Artikel so kommentiert: „‘Wenn über eine alte Sache mal endlich Gras gewachsen ist, kommt sicher ein Kamel gelaufen, das alles wieder runterreißt‘ – damit verkörperte der ‚Liederkranz‘ Lahr die Kanalisationssorgen der Einwohnerschaft treffend“ (LZ, 8.2.1937). Auf einem weiteren Wagen ist ein Ring aufgebaut, in dem zwei Boxer miteinander kämpfen. Bezug genommen wurde dabei auf den Kampf des deutschen Box-Stars Max Schmeling gegen Joe Jacobs am 19.6.1936 in New York, den der Deutsche nach zwölf Runden für sich entscheiden konnte. Unter dem Motto „Haben wir keinen Schnee, so fahren wir zur See“ amüsierte sich der Skiclub auf dem Schiff ‚Skihaserl‘. Die Hauptstraße ist dicht mit Publikum gefüllt, das bis auf die Kinder überwiegend nicht verkleidet ist. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass dieser Umzug erst der zweite offizielle in Lahr war. Zuvor feierten die Narren überwiegend in geschlossenen Räumen, denn Anfang des 20. Jahrhunderts war Lahr überwiegend protestantisch und die Fasnet offiziell verboten. Trotzdem wurde in der damaligen „Kriz-Gaß“, der heutigen Gärtnerstraße, heimlich ein Umzug durchgeführt und von der Gemeinde toleriert. 1936 wurde dann der erste offizielle Fastnachtsumzug in Lahr durchgeführt. Patrizia Danielczok, Alexander Just, Keshia-Magali Kaltenbrunner, Jenny Wybierski

Places and monuments


Lahr



  1. This film analysis is still in progress. It may therefore be incomplete and contain errors.