Difference between revisions of "TITEL (LFS02256 4)"

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Kinder spielen mit Krippefiguren unter dem Weihnachtsbaum, Familie und Verwandte mit Weihnachtsgeschenken, Pfarrer Lind spielt auf Klavier, Familie singt Weihnachtslieder, Kinder wachsen Ski.
 
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|Contexte_et_analyse_de=Der knappe zweiminütige Stummfilm aus der Familie des Speyerer Pfarrers Emil Lind fängt sehr typische Momente der Weihnachtsfeier einer gutbürgerlichen Familie ein. Der Privatfilm beginnt mit einer Schrifttafel „Wir feiern Weihnacht 1934“. In der ersten Einstellung, die leider etwas zu dunkel ist, spielen die beiden Söhne der Familie mit der Weihnachtskrippe, die unter dem mit Lametta geschmückten Weihnachtsbaum steht. Sie tragen beide dunkle Kleidung, eine kurze Hose und Kniestrümpfe. In der Krippe wird die Geburt Jesu mit Maria und Josef, den heiligen drei Königen und Tieren nachgestellt. Die Weihnachtskrippe war zunächst in katholischen Gegenden sehr verbreitet, im 19. Jahrhundert wurde sie auch in protestantischen Familien aufgestellt.
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Es folgt die Bescherung der Familie mit dem Ehepaar, ihrer Tochter und den beiden Söhnen sowie zwei weiteren jungen Damen. Da auch Emil Lind im Bild zu sehen ist, muss die Kamera von jemand anderem bedient worden sein. Auf dem Gabentisch sind viele Bücher, Kleidungsstücke wie ein Schal, ein Pullover und eine Krawatte zu sehen sowie Kunsthandwerk. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht werden die Geschenke überreicht und gleich anprobiert, was für die Kamera inszeniert wirkt. So legt eine der jungen Damen Emil Lind eine Krawatte um den Hals, wobei er vom Scheinwerfer direkt angestrahlt wird. In der nächsten Einstellung hat sich die Familie um Emil Lind aufgestellt, der Klavier spielt, und sie singen zusammen voller Inbrunst, vermutlich Weihnachtslieder. Am Klavier sind die Noten mit zwei Kerzen beleuchtet,  auch diese Aufnahme ist letztlich etwas zu dunkel. Die Abschlusssequenz zeigt die Familie, wie sie Skier inspiziert, die vermutlich auch ein Weihnachtsgeschenk waren. Skifahren wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert als Freizeitbeschäftigung sehr populär. Mit ihren Händen streichen die beiden Mädchen über die Laufflächen der Wintersportgeräte, während der Sohn die Skistöcke hält. Von rechts kommt eine junge Dame ins Bild, die gerade einen Teller abtrocknet.
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In Speyer war Emil Lind als evangelischer Pfarrer eine wichtige Persönlichkeit. 1890 als Sohn eines Volksschullehrers geboren, studierte er Ökonomie, Philosophie und Theologie in Heidelberg, Halle, Utrecht und Strasbourg, wo er bei Albert Schweitzer hörte, mit dem er sehr lange verbunden war. 1918 heiratete er Katharina Elisa Ackermann und hatte mit ihr eine Tochter und zwei Söhne. Nach verschiedenen Stationen kam er im Oktober 1925 als Pfarrer nach Speyer. 1929 war er der Hauptorganisator der 400-Jahr-Feier der Protestation von Speyer. Bei der Abschlussveranstaltung hielt er eine Rede vor mehr als 100.000 Zuhörern. Er war auch publizistisch tätig, veröffentlichte einige Bücher und war zwischen 1930 und 1936 ‚Schriftleiter‘ der Zeitschrift ‚Der Speyerer Protestant“, der monatlich erschien. Obwohl er im Studium von Vertretern des protestantischen Liberalismus ausgebildet worden war, trat Lind, ohne Mitglied der NSDAP zu sein, 1938 der völkischen Nationalkirchlichen Einung bei. Deswegen wurde er im Herbst 1945 von der Evangelischen Landeskirche Pfalz suspendiert und 1946 mit 56 Jahren in den Vorruhestand versetzt. Danach arbeitete er als freier Schriftsteller und Referent. Er starb im Dezember 1966 nach längerer Krankheit.
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Zu seinem Nachlass gehören mehrere Privatfilme über seine Familie, die vor allem in den 1930er Jahren aufgenommen wurden (siehe „Familienfilm 3“, „Familienfilm 4“). Sie machen deutlich, dass er mit seinem Geburtsort Schwegenheim und der Region um Speyer sehr verbunden war.       
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Kay Hoffmann
 
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Revision as of 13:22, 19 February 2021


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Abstract


Weihnachtsfeier der Familie des Pfarrers Emil Lind in Speyer

Description


ZT: Wir feiern Weihnacht 1934. Kinder spielen mit Krippefiguren unter dem Weihnachtsbaum, Familie und Verwandte mit Weihnachtsgeschenken, Pfarrer Lind spielt auf Klavier, Familie singt Weihnachtslieder, Kinder wachsen Ski.

Metadata

Reference / film number :  LFS02256 4
Date :  1934
Coloration :  Black and white
Sound :  Mute
Timecode :  00:02:02
Running time :  00:00:00
Film-maker :  Lind, Emil
Reel format :  16 mm
Genre :  Amateur movie
Archive :  Haus des Dokumentarfilms

Context and analysis


Der knappe zweiminütige Stummfilm aus der Familie des Speyerer Pfarrers Emil Lind fängt sehr typische Momente der Weihnachtsfeier einer gutbürgerlichen Familie ein. Der Privatfilm beginnt mit einer Schrifttafel „Wir feiern Weihnacht 1934“. In der ersten Einstellung, die leider etwas zu dunkel ist, spielen die beiden Söhne der Familie mit der Weihnachtskrippe, die unter dem mit Lametta geschmückten Weihnachtsbaum steht. Sie tragen beide dunkle Kleidung, eine kurze Hose und Kniestrümpfe. In der Krippe wird die Geburt Jesu mit Maria und Josef, den heiligen drei Königen und Tieren nachgestellt. Die Weihnachtskrippe war zunächst in katholischen Gegenden sehr verbreitet, im 19. Jahrhundert wurde sie auch in protestantischen Familien aufgestellt.

Es folgt die Bescherung der Familie mit dem Ehepaar, ihrer Tochter und den beiden Söhnen sowie zwei weiteren jungen Damen. Da auch Emil Lind im Bild zu sehen ist, muss die Kamera von jemand anderem bedient worden sein. Auf dem Gabentisch sind viele Bücher, Kleidungsstücke wie ein Schal, ein Pullover und eine Krawatte zu sehen sowie Kunsthandwerk. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht werden die Geschenke überreicht und gleich anprobiert, was für die Kamera inszeniert wirkt. So legt eine der jungen Damen Emil Lind eine Krawatte um den Hals, wobei er vom Scheinwerfer direkt angestrahlt wird. In der nächsten Einstellung hat sich die Familie um Emil Lind aufgestellt, der Klavier spielt, und sie singen zusammen voller Inbrunst, vermutlich Weihnachtslieder. Am Klavier sind die Noten mit zwei Kerzen beleuchtet, auch diese Aufnahme ist letztlich etwas zu dunkel. Die Abschlusssequenz zeigt die Familie, wie sie Skier inspiziert, die vermutlich auch ein Weihnachtsgeschenk waren. Skifahren wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert als Freizeitbeschäftigung sehr populär. Mit ihren Händen streichen die beiden Mädchen über die Laufflächen der Wintersportgeräte, während der Sohn die Skistöcke hält. Von rechts kommt eine junge Dame ins Bild, die gerade einen Teller abtrocknet.

In Speyer war Emil Lind als evangelischer Pfarrer eine wichtige Persönlichkeit. 1890 als Sohn eines Volksschullehrers geboren, studierte er Ökonomie, Philosophie und Theologie in Heidelberg, Halle, Utrecht und Strasbourg, wo er bei Albert Schweitzer hörte, mit dem er sehr lange verbunden war. 1918 heiratete er Katharina Elisa Ackermann und hatte mit ihr eine Tochter und zwei Söhne. Nach verschiedenen Stationen kam er im Oktober 1925 als Pfarrer nach Speyer. 1929 war er der Hauptorganisator der 400-Jahr-Feier der Protestation von Speyer. Bei der Abschlussveranstaltung hielt er eine Rede vor mehr als 100.000 Zuhörern. Er war auch publizistisch tätig, veröffentlichte einige Bücher und war zwischen 1930 und 1936 ‚Schriftleiter‘ der Zeitschrift ‚Der Speyerer Protestant“, der monatlich erschien. Obwohl er im Studium von Vertretern des protestantischen Liberalismus ausgebildet worden war, trat Lind, ohne Mitglied der NSDAP zu sein, 1938 der völkischen Nationalkirchlichen Einung bei. Deswegen wurde er im Herbst 1945 von der Evangelischen Landeskirche Pfalz suspendiert und 1946 mit 56 Jahren in den Vorruhestand versetzt. Danach arbeitete er als freier Schriftsteller und Referent. Er starb im Dezember 1966 nach längerer Krankheit.

Zu seinem Nachlass gehören mehrere Privatfilme über seine Familie, die vor allem in den 1930er Jahren aufgenommen wurden (siehe „Familienfilm 3“, „Familienfilm 4“). Sie machen deutlich, dass er mit seinem Geburtsort Schwegenheim und der Region um Speyer sehr verbunden war.

Kay Hoffmann

Places and monuments


Speyer



  1. This film analysis is still in progress. It may therefore be incomplete and contain errors.