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Fahrrad Demo Fessenheim
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Abstract


Fahrrad Demo mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus dem Kaiserstuhl und der Schweiz nach Fessenheim mit Grenzkontrollen.


Metadata

Reference / film number :  Solange Fernex S8 02 Auswahl A
Date :  Between 1972 and 1975
Coloration :  Color
Sound :  Mute
Running time :  00:11:45
Reel format :  Super 8 mm
Genre :  Amateur movie
Thematics :  Environment, Ecology, Industrial and cultural heritage, Industry
Archive :  Archiv soziale Bewegungen Freiburg

Context and analysis


Der Protest gegen die geplanten Atom-Kraftwerke am Oberrhein ist ein herausragendes Beispiel für eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Denn Elsässer, Kaiserstühler und Schweizer schlossen sich zusammen, um gegen die erhebliche Gefährdung ihrer Heimatregion zu protestieren. Sie entdeckten das Alemannische als ihre gemeinsame Sprache, was in ihren Protest-Transparenten und den Protest-Liedern zum Ausdruck kam. Eine Region stand zusammen, um sich gegen die großen Pläne der Industrialisierung zu stellen. Welche Pläne es gab, den Oberrhein zu einem zweiten Ruhrgebiet zu machen, offenbarte ein Artikel im Staatsanzeiger Baden-Württemberg vom 23.9.1972 sehr klar: „Rückt nämlich die EG noch näher zusammen, (…) so wird das Rheintal zwischen Frankfurt und Basel die Wirtschaftsachse überhaupt. Ob dann noch Platz für Umweltschutz ist, muß bezweifelt werden. Sachverständige Leute sind deshalb der Ansicht, die Ebene sollte für die gewerbliche und industrielle Nutzung freigegeben werden, während die Funktionen ‚Wohnen‘, ‚Erholung‘ und so weiter in der Vorbergzone und in den Seitentälern des Rheins angesiedelt werden sollten.“ Der vom Baden-Württembergischen Landtag 1971 verabschiedete Landesentwicklungsplan schuf die gesetzliche Grundlage für eine solche Industrialisierungsoffensive.

Protest entwickelt sich

Gegen solche Pläne gab es schon früh Widerstand, z.B. ab 1970 gegen das geplante Atomkraftwerk Kaiseraugst in der Schweiz, ab 1972 gegen den genehmigten Bau des AKW im elsässischen Fessenheim, ab 1972 gegen die vier geplanten Reaktoren in Breisach/Burkheim, ab 1974 gegen das geplante Bleichemiewerk in Marckolsheim und gegen den Reaktor in Wyhl. 1974 schlossen sich auch 21 Badisch Elsässischen Bürgerinitiativen und die Schweizer Atomkraftgegner zusammen und schrieben damit Geschichte. Mit ihren Protesten und Bauplatzbesetzungen konnten sie verhindern, dass die Oberrheinregion für die alleinige industrielle Nutzung ausgebeutet wurde. Das hätte erhebliche Folgen gehabt für die Bauern und Winzer, die auch um das Klima in der Region fürchteten. Es war ein grenzüberschreitender Protest vieler gesellschaftlicher Gruppen, und es entwickelte sich eine Identität der Region, nicht nur durch die Mundart und den Dialekt. Verhindert wurde der Bau von Atomkraftwerken in Whyl, Gerstheim, Breisach und im Schweizer Kaiseraugst sowie der Bau der Bleichemiefirma in Marckolsheim; nur in Fessenheim war man nicht erfolgreich.

Solange Fernex filmt die Demonstrationen

Solange Fernex (1934 – 2006) aus dem Süd-Elsass war eine engagierte Kämpferin gegen die Kernkraft und gilt als Mutter der französischen Anti-Atom Bewegung. Sie hat in den 1970er Jahren einige Super 8-Filme über die Proteste in Marckolsheim Wyhl und anderen Orten gedreht. Bei den Protesten war sie selbst aktiv. Schon in den 1970er Jahren kandidierte sie bei Wahlen. 1983 beteiligte sie sich an einem 40tägigen Hungerstreik gegen weltweite Atomwaffentests (Jeûne pour la Vie) und im Jahr darauf war sie Mitgründerin der französischen Grünen, für die sie 1989 für das Europa-Parlament kandidierte. 2001 wurde sie ausgezeichnet mit ‚The Nuclear-Free Future Award‘. Im November 2006 starb sie an einem Krebsleiden.

Demo gegen Fessenheim

Ihr Film über eine Fahrraddemo nach Fessenheim zeigt die internationale Vernetzung der Protestbewegung. Denn die Transparente sind in deutsch, französisch und alemannisch geschrieben („Halt jetzt mit dem Drack im Elsass“, „Fessenheim sicher – durch stilllegen!“, „Pour un Rhine…..“). Mehrere der Demonstranten haben Schweizer Wimpel an ihren Fahrrädern. Die Demonstranten werden bei der Einreise nach Frankreich aus der Schweiz und bei ihrer Rückkehr nach Deutschland – wahrscheinlich in Sasbach – vom Grenzschutz kontrolliert und müssen ihr Ausweise zeigen. Die Grenzen sind noch nicht offen. Bei der Rückfahrt kommen sie bei Tabakbauern vorbei, die die frisch geernteten Blätter für die Trocknung vorbereiten. Über lange Zeit wurde Tabak in der Oberrheinregion angebaut, verlor jedoch zunehmend an Bedeutung, da nach Ansicht der Tabakindustrie die Qualität und der Preis nicht mit importiertem Tabak konkurrieren konnten. Abschluss des Films ist eine Versammlung. Von einer Bühne hinab werden Stellungnahmen gegeben. An einer Seite des Raums gibt es eine Kunstausstellung mit Plakaten gegen die Zerstörung der Welt („Alle Jahre wieder, saust der Presslufthammer nieder“). Das aktuellste Bild stellt die Situation im Oktober 1972 dar. Ebenfalls zu sehen ist ein Plakat der Nelson Stiftung zum „Earth Day“, der seit 1970 jeweils am 22. April begangen wurde. Es zeigt die Erde überbevölkert von Menschen, die zum Teil bereits abstürzen.

Kay Hoffmann

Places and monuments


Fessenheim

Bibliography


BIBLIOTHEK DES WIDERSTANDS BAND 18, "Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv I", Laika Verlag, Hamburg, 2011. FERNEX Solange, "Non violence triumphant", in: The Ecologist, 12/1975. LÖSER Georg, "Die Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen", in: Bibliothek des Widerstands Band 18, S.19 - 75. MAYER Axel, "AKW Whyl: Dreißig Jahre nach der Bauplatzbesetzung - Ein Rückblick, in: Bibliothek des Widerstands Band 18, S. 81 - 85.



  1. This film analysis is still in progress. It may therefore be incomplete and contain errors.